Einleitung
Tailingsdämme sind Bergbauhalden, auf denen die Abbauprodukte der mineralgewinnenden Industrie abgelagert werden. Diese Rückstände bestehen aus Feinkornmaterial und werden meist hydraulisch aufgespült. Grundsätzlich können diese Aufbereitungsrückstände im Energiesektor (z.B. Aschen) oder in der mineralgewinnenden Industrie (Gold) anfallen.
Über Jahrzehnte vernachlässigt, hat sich die Einstellung der Industrie gegenüber Tailingsdämmen mittlerweile geändert, weg von der Bewertung als “Müllhalde“ am Ende der Wertschöpfungskette, die nur Kosten verursacht, hin zur Erkenntnis, dass Tailingsdämme ein wesentlicher und zugleich elementarer Bestandteil im Bergbau sind. Ohne Möglichkeit zur sicheren Ablagerung kann keine Produktion stattfinden. Gleichzeitig haben sich, etwa im Goldbergbau, die Prozesse dergestalt verbessert, dass die Dämme oft nochmals bearbeitet werden, um in früheren Prozessen nicht ausgelaugte Mineralien zu fördern (Remining). Die letzten katastrophalen Schadensfälle, etwa in Brasilien 2015 oder 2019, haben ebenfalls dazu beigetragen, diesen Bauwerken mehr Beachtung zu schenken.
Ungewohnt ist oft die Dimension der Dämme, weshalb nachfolgend einige Kennzahlen – typisch für den Goldbergbau in Südafrika – aufgeführt werden:
- Produktion: 100 000 tpm – 500 000 tpm (tons per month)
- Rate of Rise (RoR): 1-4 m/Jahr
- Oberfläche: 50-250 ha
- Höhe: 50-150 m
- Betriebsdauer: Jahrzehnte
- 200 aktive Dämme
Am Beispiel von Südafrika wird im nachfolgenden Beitrag erläutert, wie sich geänderte Umweltschutzrichtlinien auf die Planung und den Neubau von Dämmen (Basisabdichtung), aber auch auf die komplette Industrie auswirken. Dabei wird vor allem der Goldbergbau als Beispiel herangezogen.
Abdichtungssysteme im Wandel der Zeit
Der Goldbergbau in Südafrika hat eine über 130-jährige Tradition, vor allem im Großraum Johannesburg. Allerdings haben die Fördermengen aus verschiedenen Gründen in den letzten Jahrzehnten abgenommen. Gleichzeitig hat auch der mittlere Goldgehalt abgenommen. Dieser Trend ist in Abb. 2.1 graphisch dargestellt. Es ist offensichtlich, dass die dargestellte Kombination zu wirtschaftlichen Herausforderungen für die Minenbetreiber führt.
Abb. 2.1: Entwicklung der Goldproduktion und des mittleren Goldgehalts zwischen 1880 und 2016
Verschärft wird die oben dargestellte Situation noch durch die im Jahre 2010 eingeführten Regelwerke hinsichtlich der Basisabdichtung von Dämmen (National Environment Management: Waste Act, Notice R 636). Waren die gesetzlichen Anforderungen bis dahin eher als lax zu bezeichnen, sind die neuesten Regelwerke wegweisend. Grundsätzlich gab es bis 2010 keine verbindlichen Vorschriften hinsichtlich einer Basisabdichtung. Eine Basisabdichtung wurde in der Regel nur dann vorgesehen, wenn diese produktionstechnisch von Vorteil war, etwa zur Wassereinsparung in ariden Gegenden. Abb. 2.2 zeigt und erläutert schematisch die drei maßgeblichen Entwicklungsphasen, die sich im Goldbergbau seit etwa 1880 haben beobachten lassen.

Abb. 2.2: Maßgebliche Entwicklungsphasen der Basisabdichtung zwischen 1880 und 2016
Grundsätzlich muss mittlerweile eine Basisabdichtung bei der Neuplanung von Dämmen vorgesehen werden. Die vorgeschriebene Anforderung für Gold-Tailingsdämme ist in Abb. 2.3 schematisch dargestellt und erläutert.

Abb. 2.3: Maßgebliche Abdichtungskombination für die Neuplanung von Gold-Tailingsdämmen
Herausforderungen
Übersicht
Die neuen gesetzlichen Vorschriften sind derzeit in Südafrika mit mehreren Herausforderungen behaftet. Im Allgemeinen lassen sich diese in folgende Hauptgruppen unterteilen:
- Drainage
- Fachwissen
- Berücksichtigung betrieblicher Abläufe
- Diebstahl und Beschädigung
Die obigen Herausforderungen werden nachfolgend näher erläutert.
Drainage
Tailingsmaterial ist aufgrund der hydraulischen Ablagerungsprozesse in aller Regel hochgradig anisotrop, siehe Abb. 3.1. Dies führt vor allem bei der Bemessung von Drainagen zu Schwierigkeiten und im schlimmsten Fall, bei nicht ausreichender Bemessung, zu Standsicherheitsproblemen. Diese Situation wird noch dadurch verschärft, dass Bemessungen oftmals nach Bauchgefühl durchgeführt werden. Hier besteht offensichtlich Forschungsbedarf. Gleiches gilt für die Langzeitstabilität und Funktionalität von Geotextilien.

Abb. 3.1: Ablagerungsbedingte Anisotropie
Fachwissen
Die bereits in Abschnitt 3.2 beschriebenen Schwierigkeiten bei der Bemessung von Drainagen werden oftmals auch dadurch vergrößert, dass Bemessungen nach Baugefühl ausgeführt werden. Kompatibilität verschiedener Liner, Reibungswinkel zwischen den einzelnen Komponenten etc. werden oftmals nicht labortechnisch bestimmt, sondern, wenn überhaupt berücksichtigt, abgeschätzt.
Berücksichtigung betrieblicher Abläufe
Aufgrund der Eigenheit der Dämme, die sich im Prinzip unter dauernder Konstruktion befinden, müssen Basisabdichtungen entweder a priori fertiggestellt oder permanent ergänzt werden. Beide Herangehensweisen haben einen Einfluss auf die Integrität der Abdichtung. Werden Abdichtungen im laufenden Betrieb ergänzt, kann sich dies über Jahre hinwegziehen. Dies setzt eine kontinuierliche Versorgung mit Materialen gleichbleibender Qualität voraus. Wird eine komplette Basisabdichtung a priori hergestellt, ist der Liner den Witterungsverhältnissen oftmals über Jahre schutzlos ausgesetzt. Vor allem eine Erosion der Filtermaterialien/Schutzschicht kann hier beobachtet werden.
Diebstahl und Beschädigung
Es lässt sich in der Praxis immer wieder beobachten, dass Geokunststoffe i.a. ganz oder teilweise gestohlen werden (Zweckentfremdung als Dacheindeckung). Gleichzeitig werden Schäden des Liners seitens des Betreibers des Dammes häufig nicht gemeldet, sondern vielmehr verschwiegen. Beides erhöht selbstredend die Leckageraten und ist sicherlich nicht im Sinne der Gesetzgebung.
Zusammenfassung
Die gesetzlichen Anforderungen, Tailingsdämme grundsätzlich nur noch mit Basisabdichtung herzustellen, sind sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, vor allem wenn man an Themen wie Säureauslaugung (Acid Mine Drainage) im Goldbergbau denkt. Kurzfristig kann diese Entwicklung aber zu Kapazitätsengpässen führen, da der Bau neuer Dämme aus Kostengründen oft aufgeschoben wird und dafür die Lebensdauer älterer, unter Bestandsschutz stehender Dämme verlängert wird. Dieses Vorgehen entspricht damit zunächst einmal nicht der Zielsetzung der aktuellen Gesetzgebung.
Weiterhin ist anzumerken, dass hinsichtlich der Basisabdichtung von Tailingsdämmen noch erheblicher Forschungsbedarf besteht. Tailingsdämme sind, im Gegensatz zu klassischen Deponien, erheblich größere und höhere Bauwerke. Damit ergeben sich Fragestellungen, die sich derzeit nur begrenzt beantworten lassen (Zusetzen der Filtermaterialien verursacht durch chemische Prozessrückstände, Auswirkung der hohen Überlagerungsspannungen etc.).
Es ist zu erwarten, dass sich die von Südafrika eingeführte Gesetzgebung in ähnlicher Form in Kürze auch in weiteren afrikanischen Ländern durchsetzen wird. Trotz aller Herausforderungen können diese Entwicklungen daher als Chance betrachtet werden, den Wissenstand bezüglich der Anwendungsgrenzen von Geokunststoffen und damit den Anwendungsbereich selbst zu vergrößern.
Dieser Beitrag wurde erstmals 2019 auf dem Naue-Kolloquium veröffentlicht.
Geotechnische Einordnung
- Tailingsdämme sind großvolumige Halden aus hydraulisch aufgespülten, feinkörnigen Aufbereitungsrückständen (z. B. Goldbergbau, Aschen) und bilden zentrale Infrastrukturbauwerke der Rohstoffindustrie.:contentReference[oaicite:0]{index=0}
- Typische Anlagen weisen Flächen von etwa 50–250 ha, Bauhöhen von circa 50–150 m, Anstiegsraten von rund 1–4 m pro Jahr und Nutzungsdauern über Jahrzehnte auf.:contentReference[oaicite:1]{index=1}
- Über Jahrzehnte existierten kaum verbindliche Vorgaben zur Basisabdichtung; erst seit dem Waste Act (Notice R 636, 2010) werden Gold-Tailingsdämme mit normierten Dichtsystemen gefordert.:contentReference[oaicite:2]{index=2}
- Heute sind mehrlagige Basisabdichtungssysteme mit mineralischen und geosynthetischen Komponenten, Drainagen und Schutzlagen maßgeblich, um Leckage, Säureauslaugung und Grundwasserbelastungen zu begrenzen.:contentReference[oaicite:3]{index=3}
- Geotechnische Kernfragen betreffen die Bemessung von Drainagen im anisotropen Tailingskörper, die Langzeitfunktion von Filtern sowie Standsicherheit unter hohen Überlagerungsspannungen und betrieblichen Zwängen.:contentReference[oaicite:4]{index=4}
Typische Projektfragen
- Wie ist ein Basisabdichtungssystem für einen neuen Tailingsdamm zu dimensionieren, um regulatorische Anforderungen an Leckageraten und Grundwasserschutz sicher einzuhalten?
- Wie können Filter-, Drainage- und Schutzschichten ausgelegt werden, damit sie unter anisotropen Tailings, chemischen Prozessrückständen und über Jahrzehnte funktionsfähig bleiben?
- Wie lassen sich Bau- und Betriebsabläufe (a priori abgedichtete Basisfläche vs. sequentieller Ausbau), Erosionsschutz und Schutz vor Beschädigung des Liners in einem wirtschaftlichen Systemkonzept kombinieren?
Passende Naue-Produkte & Systemlösungen
Eine projektspezifische Systemauswahl ermöglicht es, Schutzbauwerke effizient, dauerhaft und an die lokalen Gegebenheiten angepasst zu realisieren.
Basisabdichtung und Containment
- Bentofix® GCL als mineralische Dichtungsschicht in der Basisabdichtung zur Begrenzung der Durchsickerung durch den Untergrund von Gold-Tailingsdämmen.
- Carbofol® Geomembran als hochdichte Kunststoffdichtungsbahn in kombinierten Barrieresystemen zur Reduzierung von Leckageraten und zum Schutz des Grundwassers.
Drainage und Sickerwasserbewirtschaftung
- Secudrain® Drainagematten zur horizontalen Ableitung von Sickerwasser unterhalb und oberhalb der Basisabdichtung, auch bei anisotropem Tailingsmaterial und hohen Auflasten.
- Secutex® Geotextilvlies als Filter- und Trennlage zur Sicherstellung der Langzeitfunktion von Drainageschichten und zum Schutz vor Kolmation durch feinkörnige Prozessrückstände.
Böschungsstabilität und Tragsicherheit
- Secugrid® Geogitter zur Bewehrung von Dammkörper und Gründungsbereichen mit dem Ziel, die Standsicherheit hoher Tailingsdämme zu erhöhen.
- Combigrid® Geoverbundstoff zur gleichzeitigen Trennung, Bewehrung und Filterwirkung in weichen, heterogenen Untergründen im Umfeld der Tailingsanlage.
Erosionsschutz und Oberflächenschutz
- Secumat® Erosionsschutzsysteme zum Schutz erdüberdeckter Dichtungen sowie von Dammoberflächen und -böschungen vor Niederschlagserosion und Oberflächenabfluss.
- Secutex® Geotextilvlies als Schutzlage auf der Geomembran während Bau und Betrieb zur Begrenzung mechanischer Beschädigungen durch Verkehr, Einbaugerät und Schüttungen.
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